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Kennzahlen · 9 Min. · Stand: Juli 2026

Amortisation, IRR, Kapitalwert und LCOE: PV-Kennzahlen richtig einordnen

Jede Kennzahl beantwortet eine andere Frage. Wie Amortisation, Kapitalwert, IRR und Stromgestehungskosten zusammenspielen – und welche Falle in jeder einzelnen steckt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Amortisationszeit ignoriert alle Zahlungen nach dem Rückzahlungszeitpunkt – 15 gute Restjahre zählen für sie nicht.
  • Für Investitionsentscheidungen ist der Kapitalwert die belastbarste Einzelkennzahl.
  • Der IRR eignet sich zum Vergleich von Projekten, nicht als alleiniges Kriterium.
  • LCOE vergleicht Erzeugungskosten mit dem Bezugsstrompreis – nicht mit dem Einspeisesatz.

Warum eine Kennzahl allein täuscht

„Wann hat sich das bezahlt?“ ist meist die erste Kundenfrage – aber selten die wichtigste. Jede Kennzahl komprimiert das Projekt auf eine einzige Zahl und blendet dabei systematisch etwas aus: die Amortisation die Restlaufzeit, der IRR den absoluten Betrag, der LCOE die Erlösseite.

Belastbar wird die Bewertung erst im Set: Kapitalwert als Entscheidungsgröße, IRR für den Vergleich, Amortisation für das Risikogefühl, LCOE für den Preisvergleich. Die folgende Übersicht zeigt, welche Frage jede Kennzahl beantwortet – und welche Falle in ihr steckt.

KennzahlBeantwortet die FrageTypische Falle
AmortisationszeitWann ist das Kapital zurück?ignoriert alles nach dem Rückzahlungszeitpunkt
Kapitalwert (NPV)Wie viel Wert schafft das Projekt insgesamt?hängt stark am gewählten Diskontierungszins
Interne Rendite (IRR)Wie verzinst sich das eingesetzte Kapital?sagt nichts über den absoluten Betrag
EigenkapitalrenditeWas verzinst das eigene Geld nach Fremdkapital?Leverage erhöht Rendite und Risiko zugleich
LCOE / StromgestehungskostenWas kostet die selbst erzeugte kWh?wird fälschlich mit dem Einspeisesatz verglichen

Amortisationszeit: nützlich, aber blind für die Restlaufzeit

Die statische Amortisation zählt die Jahre, bis die kumulierten Rückflüsse die Investition decken. Die dynamische Variante diskontiert die Rückflüsse zuvor ab und fällt entsprechend länger aus – sie ist die ehrlichere der beiden.

Beide ignorieren, was nach dem Rückzahlungszeitpunkt passiert: Eine Anlage mit zwölf Jahren Amortisation und starken Folgejahren kann mehr Wert schaffen als eine mit acht Jahren und schwachem Rest. Als Risikoindikator taugt die Kennzahl trotzdem – je kürzer, desto weniger Prognosejahre müssen halten.

Kapitalwert und Diskontierungszins

Der Kapitalwert summiert alle abgezinsten Ein- und Auszahlungen über die Laufzeit. Ist er positiv, schafft das Projekt Wert oberhalb der geforderten Verzinsung – er ist damit die eigentliche Entscheidungskennzahl der Investitionsrechnung.

Seine empfindlichste Stellschraube ist der Diskontierungszins. Er ist nicht der Kreditzins, sondern die geforderte Mindestverzinsung des Unternehmens – je nach Kapitalkosten und Risikoanspruch meist irgendwo zwischen Fremdkapitalzins und zweistelliger Renditeerwartung. Wer ihn setzt, sollte ihn im Ergebnis ausweisen.

IRR und Eigenkapitalrendite

Die interne Rendite (IRR) ist der Zinssatz, bei dem der Kapitalwert genau null wird – praktisch: die Verzinsung des gebundenen Kapitals. Sie macht Projekte unterschiedlicher Größe vergleichbar und lässt sich gegen Hurdle Rates oder Alternativanlagen stellen.

Mit Fremdkapital tritt die Eigenkapitalrendite daneben: Liegt die Projektrendite über dem Kreditzins, hebelt das Darlehen die Verzinsung des eigenen Geldes – bei entsprechend höherem Risiko. Und eine Grenze der Kennzahl gehört dazugesagt: Bei untypischen Cashflow-Verläufen mit mehreren Vorzeichenwechseln kann der IRR mehrdeutig werden; der Kapitalwert bleibt dann die verlässlichere Größe.

LCOE: die richtige Vergleichsgröße wählen

Die Stromgestehungskosten (Levelized Cost of Energy, LCOE) verteilen sämtliche Lebenszykluskosten der Anlage auf die erzeugten Kilowattstunden. Heraus kommt ein Preis je kWh, der sich direkt mit dem Bezugsstrompreis vergleichen lässt: Liegt der LCOE darunter, ist jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ein Gewinn.

Der klassische Fehler ist der Vergleich mit dem Einspeisesatz: Für eigenverbrauchsgetriebene Gewerbeanlagen ist der vermiedene Arbeitspreis die relevante Messlatte, nicht die Vergütung des Überschusses. Gewerbliche Dachanlagen erreichen LCOE-Werte deutlich unter typischen Gewerbestrompreisen (Stand 2026) – genau daraus bezieht das Geschäftsmodell seine Robustheit.

Kennzahlen im Gespräch mit Kunde und Steuerberater

Unterschiedliche Adressaten brauchen unterschiedliche Zahlen: Die Geschäftsführung entscheidet über Kapitalwert und Amortisation, die Bank fragt nach Kapitaldienstdeckung und IRR, der Steuerberater nach Cashflow-Verlauf und Abschreibungsannahmen. Wer alle vier Kennzahlen mit offenen Annahmen vorlegt, erspart sich Rückfragen.

Vertrauensbildend wirkt vor allem die Sensitivität: Wenn das Projekt auch bei zehn Prozent höheren Investitionskosten oder niedrigerem Strompreis positiv bleibt, trägt die Entscheidung. Rechner liefern unterschiedliche Ergebnisse fast immer wegen unterschiedlicher Annahmen – nicht wegen unterschiedlicher Mathematik.

Alle vier Kennzahlen je Variante ausweisen

Der Rechner berechnet Kapitalwert, IRR, Amortisation und LCOE für jede gespeicherte Variante – inklusive Sensitivitätsanalyse auf die kritischen Annahmen wie Strompreis und Investitionskosten.

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Häufige Fragen

Welche Amortisationszeit ist gut?

Eine pauschale Schwelle gibt es nicht – üblich ist die Erwartung, dass die Rückzahlung deutlich innerhalb der 20-jährigen Förderdauer liegt. Wichtiger als der absolute Wert ist, dass Kapitalwert und IRR zur Renditeerwartung des Unternehmens passen.

Warum ist der Kapitalwert wichtiger als der IRR?

Der Kapitalwert misst den absolut geschaffenen Wert in Euro und bleibt auch bei untypischen Cashflow-Verläufen eindeutig. Der IRR eignet sich für den Vergleich, kann aber bei mehreren Vorzeichenwechseln mehrdeutig werden und sagt nichts über die Projektgröße.

Welcher Diskontierungszins ist sinnvoll?

Er sollte die Kapitalkosten und Renditeerwartung des Unternehmens abbilden – als Ausgangspunkt dienen oft die gewichteten Kapitalkosten oder die Verzinsung der besten Alternativanlage. Entscheidend ist, den gewählten Satz offen auszuweisen und die Sensitivität zu zeigen.

Warum liefern verschiedene Rechner unterschiedliche Ergebnisse?

Fast immer wegen unterschiedlicher Annahmen: Eigenverbrauchsquote, Strompreisentwicklung, Betriebskosten, Steuern und Einspeisemodell. Vergleichbar werden Ergebnisse nur, wenn die Annahmen dokumentiert sind – ein Grund, Varianten im selben Modell zu rechnen.

Quellen und Stand

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026. Die Angaben dienen der belastbaren Vorprüfung und sind keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

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