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Leitfaden · 10 Min. · Stand: Juli 2026

Wirtschaftlichkeit gewerblicher PV-Anlagen berechnen: der vollständige Rechenweg für die Vorprüfung

Von PVGIS-Ertrag über Lastprofil und EEG-Erlöse bis zu Finanzierung, Steuern und Kennzahlen: der komplette Rechenweg für eine belastbare Vorprüfung gewerblicher PV-Projekte.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der größte Werthebel gewerblicher PV-Anlagen ist meist der zeitgleiche Eigenverbrauch, nicht die Einspeisevergütung.
  • Eine belastbare Vorprüfung kombiniert Standortertrag, Lastprofil, Vergütungslogik, Kosten, Finanzierung und Steuern in einem Modell.
  • Kennzahlen immer im Set lesen: Kapitalwert, IRR, Amortisation und LCOE beantworten unterschiedliche Fragen.
  • Ein Ergebnis ist so gut wie seine dokumentierten Annahmen – Bandbreiten und Sensitivitäten gehören dazu.

Der Rechenweg im Überblick

Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für Gewerbe-PV ist eine Kette: Standortertrag, Dachbelegung, Lastabgleich, Erlöslogik, Kosten, Finanzierung und Steuern bauen aufeinander auf. Wer ein Glied überspringt, verschiebt das Ergebnis oft um mehr, als die Nachkommastellen der übrigen Annahmen hergeben.

Der Anspruch der Vorprüfung ist nicht die Detailplanung, sondern eine belastbare Entscheidungsgrundlage: Trägt das Projekt unter dokumentierten, nachvollziehbaren Annahmen – und welche Variante trägt am besten?

Ertragsseite: Standortdaten statt Faustformel

Grundlage der Ertragsrechnung sind standortbezogene Einstrahlungsdaten, etwa die frei zugänglichen PVGIS-Profile des EU Joint Research Centre. Zusammen mit Ausrichtung, Neigung, Performance Ratio und Degradation entsteht daraus ein Jahres- und Stundenprofil der Erzeugung.

Die Anlagengröße sollte aus der tatsächlichen Dachbelegung kommen – mit Randabständen, Sperrflächen und Aufständerung – statt aus einer m²-Faustformel. Wie das geht, zeigt der Beitrag zur Dachbelegung.

Verbrauchsseite: das Lastprofil entscheidet

Zwei Betriebe mit identischem Jahresverbrauch können völlig unterschiedliche Eigenverbrauchsquoten erreichen – entscheidend ist die Gleichzeitigkeit von Erzeugung und Last. Für die Vorprüfung genügen Lastprofil-Archetypen wie Büro, Einzelhandel, Produktion, Lager oder Gastronomie mit Betriebszeiten und Wochenendfaktor.

Aus dem stündlichen Abgleich ergeben sich Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad – die beiden Größen, die den Wert der Anlage maßgeblich prägen.

Erlösseite: vermiedene Bezugskosten plus Einspeiseerlös

Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den variablen Arbeitspreis des Strombezugs. Der Überschuss wird je nach Anlagengröße fest vergütet oder ab 100 kWp in der geförderten Direktvermarktung mit Marktprämie vermarktet.

Zur ehrlichen Erlösrechnung gehören auch die Sonderfälle: negative Strompreisstunden nach § 51 EEG, die Förderzeitraum-Verlängerung nach § 51a und Direktvermarktungskosten. Alle drei lassen sich als Szenario rechnen.

Kostenseite: Investition und Betrieb realistisch ansetzen

Investitionskosten streuen je nach Größenklasse, Dachsituation und Marktphase erheblich. Für die Vorprüfung haben sich breite Bandbreiten mit ausgewiesenem Stand bewährt – konkrete Angebote ersetzen sie nicht.

Neben der Investition zählen die laufenden Positionen über 20 Jahre und mehr: Wartung, Versicherung, Messstellenbetrieb, gegebenenfalls Direktvermarktung – und eine Rückstellung für den Wechselrichtertausch.

PositionTypische Bandbreite (Stand 2026)Anmerkung
Investition 30–100 kWpca. 950–1.300 €/kWpschlüsselfertig Aufdach, stark objektabhängig
Investition 100–1.000 kWpca. 700–1.100 €/kWpSkaleneffekte, Flachdach oft günstiger je kWp
Betriebskosten gesamtca. 1–2 % der Investition p. a.Wartung, Versicherung, Monitoring, Reinigung
DirektvermarktungskostenZehntel-Cent-Bereich je kWhab 100 kWp, vertraglich verhandelbar
WechselrichtertauschRückstellung ab ca. Jahr 10–15als Ersatzinvestition im Cashflow einplanen

Finanzierung und Steuern als Szenario

Fremdkapital verändert nicht den Projektwert, wohl aber Cashflow-Verlauf und Eigenkapitalrendite. Ein KfW-270-artiges Darlehen mit Annuität oder linearer Tilgung gehört deshalb als eigenes Szenario in die Rechnung – mit und ohne Finanzierung vergleichen.

Steuerliche Instrumente wie Investitionsabzugsbetrag, Sonder-AfA oder degressive AfA verschieben Zahlungen zeitlich nach vorn und verbessern die Liquidität. Ob sie im Einzelfall anwendbar sind, klärt der Steuerberater – die Rechnung macht die Effekte als Annahme sichtbar.

Kennzahlen lesen und Varianten vergleichen

Kapitalwert, IRR, Amortisation und Stromgestehungskosten beantworten unterschiedliche Fragen und gehören gemeinsam auf den Tisch. Eine Sensitivitätsbetrachtung auf Strompreis, Eigenverbrauchsquote und Investitionskosten zeigt, wie robust das Ergebnis ist.

Am Ende der Vorprüfung stehen zwei bis drei gespeicherte Varianten – etwa knappe Auslegung, Dachvollbelegung und eine Speicheroption –, die sich nebeneinander vergleichen und im Kundentermin diskutieren lassen. Danach folgen Detailplanung, Netzanschlussprüfung und konkrete Angebote.

Den kompletten Rechenweg durchrechnen

Der Rechner führt alle Schritte dieses Leitfadens in einem Modell zusammen – von PVGIS-Standortdaten bis zur Sensitivitätsanalyse. Speichern Sie Varianten und nehmen Sie die Kennzahlen mit in den Kundentermin.

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Häufige Fragen

Welche Daten brauche ich für die erste Rechnung?

Standort, Dachfläche oder Zielgröße in kWp, Ausrichtung und Neigung, Jahresstromverbrauch, Lastprofil-Typ, aktueller Arbeitspreis und eine Investitionsannahme. Damit lässt sich eine erste Variante in wenigen Minuten aufsetzen und später verfeinern.

Ist Eigenverbrauch immer besser als Volleinspeisung?

Nein, aber bei relevanter Tageslast fast immer. Volleinspeisung erhält höhere Vergütungssätze und kann bei Objekten ohne nennenswerten Eigenverbrauch – etwa unvermieteten Hallen – die bessere Wahl sein. Der Vergleich beider Modi mit identischen Annahmen gehört in jede Vorprüfung.

Wie genau ist eine Vorprüfung im Vergleich zur Detailplanung?

Die Vorprüfung arbeitet mit Standortdaten, Archetypen und Bandbreiten – sie beantwortet die Frage, ob und in welcher Variante sich ein Projekt lohnt. Verschattungsanalyse, Stringplanung, Netzanschluss und Angebotspreise bleiben Aufgabe der Detailplanung.

Wie präsentiere ich das Ergebnis gegenüber Geschäftsführung oder Bank?

Mit offengelegten Annahmen und Quellen: PVGIS für den Ertrag, BNetzA-Sätze für die Vergütung, dokumentierte Kosten- und Strompreisannahmen. Dazu Kapitalwert und IRR als Entscheidungsgrößen sowie eine Sensitivitätsbetrachtung, die die kritischen Stellschrauben zeigt.

Quellen und Stand

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026. Die Angaben dienen der belastbaren Vorprüfung und sind keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

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