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Lastprofil · 9 Min. · Stand: Juli 2026

Lastprofile im Gewerbe: fünf Archetypen und ihre Wirkung auf die PV-Auslegung

Büro, Einzelhandel, Produktion, Lager und Gastronomie verbrauchen Strom völlig unterschiedlich. Wie die fünf Lastprofil-Archetypen Eigenverbrauch und Anlagengröße bestimmen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Zwei Betriebe mit gleichem Jahresverbrauch können völlig unterschiedliche Eigenverbrauchsquoten erreichen – entscheidend ist der zeitliche Verlauf.
  • Produktion mit Tagschicht und Büro haben typischerweise die höchste Gleichzeitigkeit mit PV-Erzeugung.
  • Lager und Gastronomie profitieren wegen ihrer Lastverteilung überdurchschnittlich von Speichern.
  • Für die Vorprüfung genügt ein Archetyp mit Betriebszeiten und Wochenendfaktor; die Detailplanung braucht den realen Viertelstunden-Lastgang.

Warum das Lastprofil die halbe Rechnung ist

Der Jahresverbrauch sagt wenig darüber, wann Strom gebraucht wird. Eine PV-Anlage erzeugt aber zu festen Zeiten – werktags wie sonntags, mittags am meisten. Ob diese Erzeugung auf Last trifft, bestimmt die Eigenverbrauchsquote und damit den größten Werthebel des Projekts.

Für die Vorprüfung haben sich fünf Archetypen bewährt, die das Verbrauchsverhalten typischer Gewerbebetriebe abbilden. Sie ersetzen keinen gemessenen Lastgang, sind aber deutlich belastbarer als ein pauschal verteilter Jahresverbrauch.

ProfilTypischer TagesverlaufWochenendanteilGleichzeitigkeit mit PVTypische EV-Quote*
Büro / VerwaltungPlateau ca. 8–18 Uhrniedrighochca. 45–75 %
EinzelhandelÖffnungszeiten inkl. Samstagmittelmittel bis hochca. 40–70 %
Produktionje nach Schichtmodellniedrig bis mittelhoch (Tagschicht)ca. 50–80 %
Lager / Logistikflach, Beleuchtung/Toremittelmittelca. 35–65 %
Gastronomie / HotelMorgen- und Abendspitzenhochniedrig bis mittelca. 30–60 %

Büro und Verwaltung: das dankbarste Profil

Bürobetriebe verbrauchen fast ausschließlich werktags zwischen 8 und 18 Uhr – Beleuchtung, IT, Lüftung und zunehmend Klimatisierung. Das deckt sich gut mit der PV-Erzeugung, die Gleichzeitigkeit gehört zu den höchsten aller Profile.

Der Wochenendabfall ist deutlich: Samstags und sonntags läuft meist nur Grundlast. Bei der Dimensionierung heißt das, dass eine auf Werktagslast optimierte Anlage am Wochenende überwiegend einspeist – ein Argument für die Teileinspeisung mit realistischer Überschussvergütung statt für Vollbelegung um jeden Preis.

Einzelhandel: lange Öffnungszeiten, Sommer-Kühlast

Handelsflächen haben durch Beleuchtung, Kühlung und Klimatisierung eine breite Tageslast über die Öffnungszeiten – inklusive Samstag. Lebensmittelmärkte mit Kühlmöbeln tragen zusätzlich eine konstante Kühlgrundlast, die auch nachts läuft.

Interessant für die Wirtschaftlichkeit: Die Klimalast steigt genau dann, wenn die PV am meisten liefert. Sommerliche Erzeugungsspitzen treffen auf sommerliche Kühlspitzen – das stabilisiert die Eigenverbrauchsquote auch bei größerer Auslegung.

Produktion: das Schichtmodell entscheidet

Produktionsbetriebe sind das heterogenste Segment. Ein Einschichtbetrieb mit Tagschicht erreicht die beste Gleichzeitigkeit aller Profile – Maschinenlast und PV-Erzeugung laufen nahezu parallel. Bei Zwei- oder Dreischichtbetrieb sinkt die Quote, dafür steigt der absolute Verbrauch und damit das sinnvolle Anlagenvolumen.

Für die Vorprüfung sollte das Schichtmodell explizit abgefragt werden: Es verschiebt die wirtschaftlich optimale Anlagengröße stärker als die meisten anderen Annahmen. Bei durchlaufender Grundlast lohnt sich zudem der Blick auf den Speicher als Nachtlast-Brücke.

Lager und Logistik: wenig Last je Quadratmeter, viel Dach

Logistikhallen kombinieren riesige Dachflächen mit vergleichsweise geringer spezifischer Last – Beleuchtung, Tore, Ladetechnik. Die Eigenverbrauchsquote ist bei Vollbelegung des Dachs entsprechend niedrig, große Überschüsse sind der Normalfall.

Hier konkurrieren zwei Strategien: eine verbrauchsorientierte kleinere Anlage mit hoher Quote oder die Dachvollbelegung mit Volleinspeisung beziehungsweise Direktvermarktung. Kühllogistik ist der Sonderfall mit durchlaufender Kältelast – sie rechnet eher wie Produktion. Elektrifizierte Flotten können das Bild in den nächsten Jahren zusätzlich verschieben.

Gastronomie und Hotel: Spitzen am Morgen und Abend

Küchen- und Hotelbetrieb erzeugen Lastspitzen, wenn die Sonne flach steht: Frühstücksgeschäft am Morgen, Küche und Belegung am Abend, dazu hoher Wochenendbetrieb. Die Gleichzeitigkeit mit PV ist die niedrigste aller fünf Profile.

Genau deshalb ist Gastronomie der klassische Speicher-Kandidat: Mittagsüberschüsse lassen sich in die Abendstunden verschieben. Ob sich das rechnet, hängt an Speicherkosten und Zyklennutzen – als Variante gehört es hier aber immer in den Vergleich.

Vom Archetyp zum echten Lastgang

Der Archetyp beantwortet die Auslegungsfrage der Vorprüfung. Für die Detailplanung – und spätestens für Peak-Shaving-Aussagen – braucht es den realen Lastgang: Bei Betrieben mit registrierender Leistungsmessung (RLM) liegen Viertelstundenwerte beim Messstellenbetreiber oder Energieversorger vor und können vom Kunden angefordert werden.

Ein Praxistipp für das Erstgespräch: Die letzten zwölf Monatsrechnungen plus eine Aussage zum Schichtmodell reichen, um den Archetyp zu kalibrieren. Der Lastgang folgt dann im zweiten Schritt.

Lastprofil wählen und Varianten vergleichen

Der Rechner modelliert genau diese fünf Archetypen mit Betriebszeiten und Wochenendfaktor. Wählen Sie das Profil Ihres Kunden und vergleichen Sie, wie Anlagengröße und Speicher die Eigenverbrauchsquote verändern.

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Häufige Fragen

Reicht der Jahresverbrauch für eine erste Rechnung?

Als Startpunkt ja – zusammen mit einem passenden Lastprofil-Archetyp, Betriebszeiten und Wochenendfaktor. Ein pauschal über das Jahr verteilter Verbrauch ohne Profil überschätzt die Eigenverbrauchsquote dagegen fast immer.

Wie bilde ich Schichtbetrieb ab?

Über die Betriebszeiten des Produktionsprofils: Tagschicht führt zu hoher Gleichzeitigkeit, Zwei- und Dreischichtbetrieb verteilen die Last in Randstunden und Nacht. Bei durchlaufender Grundlast lohnt zusätzlich ein Speicher-Szenario.

Woher bekomme ich den Viertelstunden-Lastgang?

Betriebe mit registrierender Leistungsmessung (in der Regel ab 100.000 kWh Jahresverbrauch) können die Viertelstundenwerte beim Messstellenbetreiber oder Energieversorger anfordern. Für die Detailplanung sollte mindestens ein vollständiges Jahr vorliegen.

Was mache ich, wenn kein Archetyp passt?

Den ähnlichsten Archetyp wählen und die Abweichung über Betriebszeiten und Wochenendfaktor kalibrieren – oder konservativ zwei Varianten mit benachbarten Profilen rechnen. Sonderfälle wie Kühlhäuser oder 24/7-Rechenzentren brauchen früh den realen Lastgang.

Quellen und Stand

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026. Die Angaben dienen der belastbaren Vorprüfung und sind keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

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