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Ertrag · 8 Min. · Stand: Juli 2026

PVGIS-Ertragsdaten in der PV-Projektierung: von der Einstrahlung zur zitierfähigen Ertragsannahme

Was PVGIS liefert und was nicht, wie sich der spezifische Ertrag plausibilisieren lässt und warum das Stundenprofil für Gewerbeprojekte wichtiger ist als die Jahressumme.

Das Wichtigste in Kürze
  • PVGIS ist die frei zugängliche Ertragsdatenbasis des EU Joint Research Centre – standortscharf und zitierfähig.
  • Typische spezifische Erträge in Deutschland liegen bei rund 900–1.150 kWh je kWp und Jahr (Stand 2026).
  • Eine Performance Ratio von 0,80 bis 0,88 ist eine übliche Modellannahme für neue Anlagen.
  • Für Eigenverbrauchsprojekte zählt das Erzeugungsprofil mehr als die Jahressumme.

Was PVGIS liefert – und was nicht

PVGIS des EU Joint Research Centre stellt für jeden Standort in Europa langjährige Einstrahlungs- und Ertragsdaten bereit – frei zugänglich, wissenschaftlich gepflegt und damit zitierfähig gegenüber Kunden und Banken. Aus Satelliten- und Wetterdaten entstehen Jahres-, Monats- und Stundenprofile für konfigurierbare Ausrichtung und Neigung.

Was PVGIS nicht kennt: das konkrete Objekt. Horizontverschattung durch Nachbargebäude, Bäume oder Dachaufbauten, Verschmutzung und anlagenspezifische Verluste müssen als eigene Annahmen ergänzt werden. PVGIS ist die Basis der Vorprüfung – die objektscharfe Verschattungsanalyse bleibt Aufgabe der Detailplanung.

Spezifischen Ertrag richtig einordnen

Die zentrale Vergleichsgröße ist der spezifische Ertrag in Kilowattstunden je Kilowattpeak und Jahr. In Deutschland liegen gut ausgerichtete Anlagen typischerweise zwischen rund 900 kWh/kWp im Norden und 1.150 kWh/kWp in süddeutschen Gunstlagen (Stand 2026).

Diese Spanne taugt als Plausibilitätsanker: Verspricht ein Angebot deutlich mehr, sind die Annahmen zu hinterfragen; liegt die eigene Rechnung deutlich darunter, lohnt der Blick auf Ausrichtung und Verschattungsannahme. Für Kundengespräche ist eine Bandbreite mit Quellenangabe überzeugender als eine Punktprognose.

Ausrichtung, Neigung, Aufständerung

Süd-Ausrichtung mit rund 30 Grad Neigung maximiert die Jahressumme – Ost-West-Belegung verteilt die Erzeugung dafür breiter über den Tag und passt damit oft besser zu gewerblichen Lastgängen. Auf Flachdächern sind 10 bis 15 Grad Aufständerung üblich.

Die Tabelle ordnet die gängigen Konfigurationen relativ zueinander ein – die exakten Werte je Standort liefert PVGIS.

KonfigurationRelativer Jahresertrag*Erzeugungsschwerpunkt
Süd, ca. 30° NeigungReferenz (100 %)Mittagsspitze
Süd, 10–15° aufgeständertca. 95–98 %Mittagsspitze, flacher
Ost-West, 10–15°ca. 85–95 %breites Tagesprofil
Starke Abweichung / Fassadedeutlich daruntermorgens bzw. abends

Systemverluste und Performance Ratio

Zwischen Einstrahlung auf das Modul und Kilowattstunde am Zähler liegen Verluste: Temperatur, Leitungen, Wechselrichter, Verschmutzung, Mismatch. Die Performance Ratio (PR) fasst sie zusammen – für neue Anlagen sind Werte von 0,80 bis 0,88 eine übliche Modellannahme.

Dazu kommt die Degradation: Module verlieren pro Jahr typischerweise rund 0,3 bis 0,5 Prozent Leistung. Über 20 Jahre summiert sich das spürbar und gehört deshalb als jährlicher Abschlag in die Ertragsprognose – der Rechner führt beide Größen als offene, anpassbare Annahmen.

Warum Monats- und Stundenprofile zählen

Die Jahressumme beantwortet nur die Fördersatz-Frage – für den Eigenverbrauch entscheidet, wann der Strom entsteht. Ein Dezember mit einem Zehntel des Juni-Ertrags, Morgenstunden gegen Mittagsspitze: Erst das Profil zeigt, wie viel Erzeugung tatsächlich auf Last trifft.

Deshalb verschneidet eine belastbare Vorprüfung das PVGIS-Stundenprofil mit dem Lastprofil des Betriebs – Quote und Autarkiegrad fallen aus diesem Abgleich heraus, nicht aus einer Jahresbilanz. Genau so rechnet der Solarrechner.

PVGIS im Kunden- und Bankgespräch zitieren

Der praktische Wert einer öffentlichen Datenbasis zeigt sich im Gespräch: „Ertragsannahme nach PVGIS, EU Joint Research Centre, für diesen Standort“ ist ein anderes Fundament als „Erfahrungswert“. Quellenangabe, Bandbreite und ausgewiesene PR-Annahme machen die Rechnung nachvollziehbar und angreifbar zugleich – im besten Sinn.

Für die Bank empfiehlt sich zusätzlich eine konservative Variante mit reduziertem Ertrag. Bleibt das Projekt auch damit tragfähig, ist die Finanzierungsdiskussion deutlich kürzer.

PVGIS-Daten automatisch im Projekt nutzen

Der Rechner lädt die PVGIS-Standortdaten automatisch je Adresse oder Koordinate und verschneidet Monats- und Stundenprofile direkt mit dem Lastprofil Ihres Kunden.

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Häufige Fragen

Welche PVGIS-Datenbasis ist für Deutschland sinnvoll?

Die jeweils aktuelle Standard-Datenbank des PVGIS-Tools für Europa; sie basiert auf langjährigen Satelliten- und Wetterdaten. Wichtiger als die Datenbankwahl ist, Ausrichtung, Neigung und Verlustannahmen konsistent zum geplanten System zu setzen.

Wie stark weichen reale Erträge von PVGIS ab?

Einzelne Jahre streuen wetterbedingt um etwa plus/minus zehn Prozent um den langjährigen Mittelwert. Systematische Abweichungen entstehen meist durch nicht modellierte Verschattung oder zu optimistische Verlustannahmen – nicht durch die Einstrahlungsdaten selbst.

Ersetzt PVGIS eine Verschattungsanalyse?

Nein. PVGIS kennt den Horizont, aber nicht das Objekt: Nachbargebäude, Bäume und Dachaufbauten müssen separat bewertet werden. Für die Vorprüfung genügt eine pauschale Verschattungsannahme, die Detailplanung braucht die objektscharfe Analyse.

Wie zitiere ich PVGIS gegenüber Kunden und Banken?

Mit Quelle, Standort und Annahmen: Ertragsprognose nach PVGIS (EU Joint Research Centre) für die konkrete Adresse, ausgewiesene Performance Ratio und Degradation, Ergebnis als Bandbreite. Das macht die Prognose nachvollziehbar und belastbar.

Quellen und Stand

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026. Die Angaben dienen der belastbaren Vorprüfung und sind keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

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