Projektprüfung & Methodik
Warum Excel-Projektprüfungen bei Gewerbe-PV oft falsch liegen
Pauschale Eigenverbrauchsquoten, Jahresmittelwerte, vereinfachte EEG-Logik: die fünf typischen Fehler von Tabellen-Projektprüfungen bei gewerblichen PV-Projekten – und wann eine Tabelle trotzdem reicht.
Reduzierte Providom-Prozessgrafik mit den wichtigsten Prüfschritten dieses Beitrags – von Eingangsdaten und Modellierung bis zu Variantenvergleich und Entscheidung.
Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigsten Punkte für die Projektentscheidung.
- Die pauschal gesetzte Eigenverbrauchsquote ist der häufigste und teuerste Fehler in Tabellen-Modellen.
- Jahreswerte verdecken die Gleichzeitigkeit von Erzeugung und Last – entscheidend ist der stündliche Abgleich.
- Bandweise EEG-Mischsätze, Direktvermarktung ab 100 kWp und §51-Stunden werden in Tabellen regelmäßig falsch abgebildet.
- Excel bleibt fürs Dokumentieren nützlich – als Rechenkern für Gewerbe-PV ist es fehleranfällig.
Kapitel 01
Warum die Tabelle so verbreitet ist – und wo sie kippt
Fast jede Projektierungs- und Beratungspraxis hat sie: die gewachsene Excel-Vorlage für die erste Wirtschaftlichkeitsschätzung. Für Privatanlagen mit Standardlast funktioniert das oft ausreichend – bei Gewerbeprojekten kippt es, weil Lastprofile, Vergütungsbänder und Steuerlogik dort das Ergebnis dominieren.
Das Problem ist selten die Rechenkunst des Erstellers, sondern die Struktur: Eine Tabelle rechnet bequem in Jahressummen, während die Wertschöpfung einer Gewerbe-PV-Anlage in Stunden entsteht. Die fünf häufigsten Folgefehler im Einzelnen.
Kapitel 02
Fehler 1: die pauschale Eigenverbrauchsquote
„60 % Eigenverbrauch“ als Eingabezelle ist der Klassiker – und der teuerste Fehler. Die Quote ist eine Ergebnisgröße aus Lastprofil und Anlagengröße: Ein Bürobetrieb mit Wochenendlücke, eine Bäckerei mit Nachtlast und eine Produktion im Zweischichtbetrieb erreichen bei identischem Jahresverbrauch völlig unterschiedliche Quoten.
Da die vermiedene Kilowattstunde typischerweise das Drei- bis Vierfache des Einspeisesatzes wert ist, verschiebt ein Quotenfehler von 15 Prozentpunkten das Jahresergebnis stärker als fast jede andere Annahme im Modell.
24-Stunden-Liniendiagramm mit PV-Erzeugung, Verbrauch und farbig markierter zeitlicher Überschneidung. Ergänzt um zwei kompakte Kennzahlen zur Einordnung.
Kapitel 03
Fehler 2: Jahresmittelwerte statt Stundenprofile
Wer Jahreserzeugung und Jahresverbrauch gegenüberstellt, unterstellt implizit, dass beide zeitgleich anfallen. Tatsächlich entscheidet die Gleichzeitigkeit: Mittagsspitzen der Erzeugung treffen auf Betriebszeiten, Wochenenden und Ferienzeiten der Last.
Ohne stündlichen Abgleich lassen sich weder Eigenverbrauch noch Speicherwirkung noch Einspeiseüberschüsse seriös bestimmen – die Tabelle rechnet dann präzise mit den falschen Mengen.
Kapitel 04
Fehler 3: EEG-Logik vereinfacht
Tabellen setzen gern einen einheitlichen Vergütungssatz an. Das EEG vergütet aber bandweise anteilig: Eine 250-kWp-Anlage erhält einen gewichteten Mischsatz über mehrere Bänder, keinen Einheitswert. Ab 100 kWp kommt die geförderte Direktvermarktung mit Marktprämie, Vermarktungskosten und Marktwertschwankung dazu.
Spätestens bei negativen Strompreisstunden nach § 51 EEG und der Förderzeitraum-Verlängerung nach § 51a steigen die meisten Vorlagen aus – dabei sind genau diese Effekte für größere Anlagen erlösrelevant.
Kapitel 05
Fehler 4: Steuern und Finanzierung als Nachsatz
IAB, Sonder-AfA und degressive AfA wirken über den Zeitpunkt von Zahlungen – pauschale Abschläge („nach Steuern mal 0,7“) verfehlen genau diesen Effekt. Gleiches gilt für Finanzierung: Zins- und Tilgungsverlauf verändern Cashflow-Profil und Eigenkapitalrendite Jahr für Jahr.
Eine Projektprüfung muss diese Effekte nicht steuerberatend klären, aber als Szenario korrekt verorten: Cashflows je Jahr, nicht Summen über die Laufzeit.
Kapitel 06
Fehler 5: der Speicher als Pauschalerlös
„Speicher bringt X € je kWh Kapazität“ ist in Tabellen verbreitet und praktisch immer falsch. Der Speichernutzen entsteht aus verschobenen Kilowattstunden und gekappten Lastspitzen – beides folgt aus der stündlichen Simulation, inklusive Zyklenverschleiß und Ersatzinvestition.
Ohne Simulation entscheidet die Pauschale über eine sechsstellige Investition. Die ehrliche Variante: Speicher als eigenes Szenario rechnen und auch das Ergebnis „lohnt sich nicht“ akzeptieren.
Reduzierte Kombination aus Lastgang und Energiefluss, die Ladefenster, Entladung, Leistungsspitzen und den wirtschaftlichen Nutzen nachvollziehbar macht.
Kapitel 07
Wann eine Tabelle trotzdem reicht
Für einfache Flächen- und Ertragsabschätzungen – Dachgröße mal spezifischem Ertrag, grobe Kostenspanne – bleibt die Tabelle ein nützliches Protokoll- und Dokumentationswerkzeug neben jedem Modell.
Sobald aber eine Projektentscheidung, ein Kundengespräch oder eine interne Freigabe an der Zahl hängt, braucht es den stündlichen Abgleich und die echte Vergütungslogik. Diese Grenze bewusst zu ziehen ist keine Schwäche der eigenen Vorlage, sondern professionelle Arbeitsteilung.
Im Projekt anwenden
Den Excel-Nachbau überspringen
Der Rechner erledigt den stündlichen Lastabgleich, die bandweise EEG-Vergütung und die Steuerlogik in einem Modell – mit einsehbaren Annahmen statt versteckter Zellformeln.
Rechner öffnenFAQ
Häufige Fragen
Unsere Excel-Vorlage ist über Jahre verfeinert – reicht das nicht?
Verfeinerung löst das Strukturproblem nicht: Ohne Stundenprofile bleibt der Eigenverbrauch geschätzt, ohne Bänderlogik der Vergütungssatz falsch gemischt. Ein sinnvoller Test ist, zwei sehr unterschiedliche Lastprofile durch die Vorlage zu schicken – ändert sich die Eigenverbrauchsquote nicht, rechnet die Tabelle an der Realität vorbei.
Wie groß ist der Fehler durch eine pauschale Eigenverbrauchsquote wirklich?
Je nach Lastprofil erheblich: Zwischen einem Bürobetrieb und einer durchlaufenden Produktion liegen bei gleicher Anlagengröße leicht 20 bis 30 Prozentpunkte Quote. Da die vermiedene Kilowattstunde ein Mehrfaches des Einspeisesatzes wert ist, kann das über Tragfähigkeit oder Scheitern der Variante entscheiden.
Kann ich PVGIS-Stundenwerte nicht einfach in Excel importieren?
Technisch ja – PVGIS liefert CSV-Exporte. Dann beginnt aber der Eigenbau: 8.760 Zeilen Lastabgleich, Speichersimulation, bandweise Vergütung, Steuerlogik. Das ist ein Softwareprojekt in Tabellenform, mit allen Wartungs- und Fehlerkosten.
Was ist der schnellste Weg, eine bestehende Excel-Schätzung zu prüfen?
Dasselbe Projekt mit identischen Eckdaten in einem stundenscharfen Modell gegenrechnen und die Abweichungen je Position ansehen: Eigenverbrauch, Vergütungserlös, Steuerwirkung. Liegen die Ergebnisse nah beieinander, war die Tabelle für diesen Fall in Ordnung – wenn nicht, zeigt der Vergleich direkt, welche Annahme kippt.
Quellen und Stand
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026. Die Angaben dienen der belastbaren Projektprüfung und sind keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.
